Maschendraht-Community, die Frage nach den Motiven und warum ich das mache…

Heute fragte mich Itari im Twitter warum ich die Maschendraht-Community betreibe. Als ich die Mail fertig hatte und es für mich selbst niedergeschrieben hatte, wusste ich, dass meine Blogosphäre dies auch erfahren sollte… also hier die Original-Frage von Itari und meine E-Mail-Antwort dazu:

itari_itari ich fragte ein wenig tiefer … nach deinem Motiv, das zu tun? willst berühmt werden? non-profit ist immer so vorgeschoben

Liebe Itari,

danke für die E-Mail-Möglichkeit, bei so einer Frage reichen 140 Zeichen nun wirklich nicht. ;)
Ich könnte deine Fragen auch kurz beantworten, aber das wäre nur ein sehr gebrochenes Bild von der Wahrheit. Kurzum:
Willst berühmt werden? Nein!
Non-Profit-vorgeschoben? Nein!

Na, regt sich da gleich ein Kopfschytteln von Unglauben?

Nun denn, eventuell kommst du mit auf eine kleine Reise in meine eigene Geschichte…

1994 habe ich meine eigene Mädchengruppe eröffnet… Zwölf neunjährige Zwerge bereisten mit mir, in den darauf folgenden sechs Jahren, Europa und lebten sämtliche gruppendynamische Prozesse. Und das ganze ohne Profit, wirklich Non-Profit! Und damit sind wir denke ich beim Kern der Sache. Non-Profit als Bezeichnung für “nicht mit Geld bezahlt werden”. Profit an sich gab es en masse! Ich denke, dir brauche ich die Vorteile für einen jungen Charakter nicht aufzählen… ;)

1995 kamen wir in unserem Verband zu strukturellen Schwierigkeiten und so übernahm ich mit 17 die Verantwortung für 6 weitere Gruppenleiterinnen. Ich wuchs mit meinen Aufgaben… Dies hatte aber nicht nur Vorteile…

1999 war ich am Gipfel dessen, was man aus einem 24 Std. Tag rausholen konnte. Mittlerweile hatte ich die Schule geschmissen und arbeitete 40 Std. die Woche für den Verein, 20 Std. die Woche um mir mein “Hobby” zu finanzieren.

Im Jahr 2000 habe ich dann alles fallen lassen und bin von Hamburg nach Düsseldorf gezogen. Meiner eigenen Identität beraubt, fiel ich in eine große Sinnkrise. Ich hatte mich vom Non-Profit Dasein auffressen lassen. Ein Neustart war erforderlich und so holte ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach.

Aus diesen Erfahrungen heraus ist es mir eine innere Sehnsucht nicht nur zu konsumieren, sondern eben auch große Projekte zum Ziel zu führen. Anders gesagt… ich möchte nicht berühmt werden, sondern neben dem “Normalen” auch noch etwas sinnvolles, befriedigendes und bereicherndes tun. Übrigens hat der Wiedereinstieg in die Non-Profit-Ära acht Jahre gedauert. Heute bin ich stark reglementiert von den äußeren und inneren Bedingungen meines Lebens. Das wiederum führt dazu, bewußt mit der Zeit umzugehen, die ich z. B. in Maschendraht investieren kann.

Die Motive für die Maschendraht-Community:
Es ist eine eigene Geschichte für sich, wie diese entstanden ist. In unserem Seminar hat Ulrike Kleinau die Maschendraht-Metapher entwickelt. “Sie beschreibt den Vernetzungszustand eines Dozenten, Lehrers oder Studenten, den er haben sollte um im Web2.0 einen “organisierten Flow” bewirken zu können.” Wir haben diesen “Flow” erlebt, aufgrund dessen das Christian Spannagel seine informellen Netze “bombardiert” hat mit den Entwicklungen auf einer “einfachen” Wiki-Seite zum Thema LdL. Es kamen immer mehr Menschen dazu, die dieses offene Seminar vorantrieben… Nun hatten wir zwar eine Metapher, aber mir (als Frau der Tat) fehlte das entsprechende Werkzeug. Salopp formuliert: Wie schafft man eine Grundvernetzung für Jedermann? und so kam es zur Community.

Als ich dann am 08.11.2008 die Md-C ins Leben rief, war ich mir zum Glück nicht bewusst, welche Ausmaße unser Handeln haben würde…
Idee: Maschendraht-Metapher
Umsetzung: Werkzeug = Entwicklerportal –> vorübergehend Mixxt.
Motive? einen Mehrwert für den Umgang mit Web 2.0 zu schaffen… und und und….

Meine eigenen Motive? Es macht mir unendlich Spaß mit so vielen besonderen Menschen zusammen zu arbeiten. Ein Austausch im Augenhöheverhältnis, wenn man sonst nur eine Matrikelnummer ist. Zumindest was die Rolle der Studentin in mir angeht. ;)

Noch Fragen? ;)
Lg Mel

Taggen, Emoticons und andere Sprachphänomene

Beim Schreiben meines letzten ausführlichen Unterrichtsentwurfs, durfte ich herzhaft über mich selber lachen. Bei der Sachanalyse war mir nach Kaffee und nur eine wacher Moment hat mich davon abgehalten, dass auch im Entwurf zu kommentieren. Sowas wie: *eben kaffee holen*. Das ist mir während der 15 Seiten dann noch 2 mal passiert… muss ich mir jetzt Sorgen machen?

Durch Twitter habe ich das Taggen angefangen, und so kommt es, dass ich in Unterhaltungen mit Instant-Messangern auch Tags verwende um etwas noch einmal in sich zu kommentieren. Aussage+Tag = Nachricht. Macht das Sinn?

Menschen, die im Alltag das LOL verwenden wirken auf die Meisten eher komisch und derjenige outet sich sofort, als aktiver Onliner. Ist das eine neue Kultur von Sprache?

Interessant finde ich dabei, dass ich mir weder Sorgen mache, noch die Sinnlosigkeit des Taggens in Nachrichten als bedenkenswert empfinde. Hier also lediglich eine Feststellung der Verhaltensänderung oder -anpassung.

Wie geht es euch? Erlebt ihr solche Phänomene ebenso? Oder bin ich da ein Pionier, weil ein absolutes Kommunikations-Chamäleon?

Lernen als magisches Ensemble von Quests und Kollaboration

Aufgrund von Twitter und den Dialogen entstehen sehr inspirierende Denkprozesse. Aus diesem Grund verlinke ich Itaris Beitrag hier, damit sich auch alternative Denkideen diffundieren.

Ein paar Auszüge:

Lernen durch Magie:

Bezaubern, betören, verführen … ja, wenn man das will und sich auf sein Publikum einläßt, dann funktioniert das recht gut. Manche sagen dazu, wenn die Ziele nicht gebilligt werden, auch Manipulation. Stimmt. Wenn wir lehren und andere dazu verführen, dann manipulieren wir sie. Das ist so und dazu muss man auch stehen – am besten mit lauteren Absichten *gg*.

Lernen durch Questen:

Zusammengefasst: Lernen durch Questen kennen bereits viele, ist motivierend, enthält viele und differenzierte Anforderungen, funktioniert durch empirische Verfeinerung extrem gut, lässt sich auf fast jedes Thema anwenden und verwenden.

Lernen durch Kollaboration:

Der Unterschied zu schulischen Projektarbeit ist der Echt-Charakter und der Urknall. Das Ergebnis ist ein Gruppenergebnis, in dem die Arbeit des Einzelnen nicht unbedingt sichtbar ist. Vielleicht gibt es auch kein Ergebnis, vielleicht ist das Scheitern auch eine Ergebnisvariante.

Das ist nur ein Vorgeschmack auf den Beitrag, lest ihn euch einfach selber durch und kommentiert fleißig. :)


Neuronale-spermatozoide-Maschendraht Interaktion (ein Gedankengang)

Nach der Lektüre von Jean-Pol Martins Metapher-Eintrag habe ich mir noch einige Gedanken dazu gemacht, welche Funktionen die aktuell verwendeten für uns haben.

Sein Fazit: „Will man Menschen dahin beeinflussen, dass sie bestimmte Verhaltensweisen annehmen und automatisieren, so ist es günstig, wenn man ihnen redundant Metaphern anbietet. Daher ist es sehr wichtig, dass diese Metaphern gut gewählt und durchdacht werden. Das hierarchische Organisationsbild ist für unser gegenwärtiges Paradigma nicht mehr adäquat. Geeignetere Modelle finden sich in der Natur und werden durch die Biologie (auch Gehirnforschung) aufgearbeitet und präsentiert.“

Die Neuron-Metapher : „Neuronale Netze auf eine Gruppe von Menschen zu übertragen heißt, dass Menschengruppen Informationen kollektiv verarbeiten können, allerdings nicht linear und unscharf. Je intensiver und plurimodale der Informationsaustausch innerhalb des Netzes, desto tiefer die Informationsverarbeitung und desto komplexer die – falls notwendig – daraus entstehende Handlung.“ (JPM)

Spermatozoidenmetapher: „Um Systeme in Resonanz zu bringen, folge ich dem Beispiel der Natur: auch wenn keine Reaktion zu sehen ist, speise ich Millionen von Impulsen in das System ein (Spermatozoidenmetapher) in der Hoffnung, das einer das Ziel erreicht und vielleicht etwas Großartiges (Emergenz) entsteht.“ (JPM)

Jean-Pol beschreibt in seinem Artikel die Wirkungsweise von Metaphern und welche Basis sie haben sollten. Für die Spermatozoiden- und Neuron-Metapher sind biologische Zusammenhänge handlungsleitend.

Die Maschendraht-Metapher beruft sich auf technische Zusammenhänge, kein biologisches Interagieren, kein „wir senden Millionen und hoffen, dass einer ankommt“. Optimal wäre, wenn nur ein Impuls gesendet wird (z.B. Foreneintrag) und über die verschiedenen Maschen eine große Resonanz entstehen würde.

Die Maschendraht-Metapher ist grundlegend darauf aus, Menschen mit technischen Hilfsmitteln zu vernetzen. Diese Web 2.0-Features wurden von Menschen entwickelt und erwarten eine Bedienung und Bearbeitung von eben jenen.

Mein Fazit: ich sehe die Maschendraht-Metapher als Werkzeug an, die neuronale und spermatozoide Interaktion ermöglicht und diffundiert. Ein Stein der manch einem Neandertaler das Feuer in die Hütte bringt.