Inwieweit entscheidet Herkunft den Grad der Bildung?

Mich beschäftigt zur Zeit die Frage wie sich Herkunft mit Bildung individuell auswirkt. Damit meine ich nicht die Bildungschancen, dafür gibt es ausreichend viele Studien. Vielmehr der Blickwinkel, wie sich das Individuum unter den Voraussetzungen der Herkunft entwickelt.

Auf mich selbst reflektiert habe ich festgestellt, dass mein Anspruch an mich zwar hoch ist, aber bei weitem nicht die Leistungen der anderen entsprechen, die sich völlig normal in diesem Bereich bewegen. Ich kann den gleichen Anspruch an mich haben, oder einen höheren und trotzdem ist das Resultat nur befriedigend. Anders formuliert, gerate ich an meine Grenzen, wo andere sich noch völlig normal bewegen können.
Ich habe heute schon viel mehr erreicht, als jemals in meiner Familie erreicht wurde… deshalb entsteht irgendwie ein Grundeinstellung zu „du bist schon ein guter Krümel„. Aber jemand der mit anderen Vorbildern aufgewachsen ist, der hat das Bewusstsein für seine Ziele ganz anders entwickelt. Ich komme zu dem Schluss, das Ehrgeiz nicht gleich Ehrgeiz ist, das Anspruch und Leistung nur individuell bewertbar sind, dass jeder irgendwann irgendwie an seine Grenzen stößt, der eine Früher der andere Später.

Ich bin Realist und wie schon erwähnt ein Arbeitstier. Es gibt Bereiche, die ich sehr gut kann und andere die mir sehr schwer fallen. Das sind alles keine neuen Erkenntnisse. Nur in wie weit lassen sich Einstellung und Verhalten im Bezug auf die eigenen Grenzen reflektieren. Könnte ich mehr, wenn ich loslasse von Herkunft und Grundvoraussetzung? Gilt es sich damit abzufinden, einfach noch mehr Investieren zu müssen als jene in deren Dunstkreis ich mich bewege?  und mich zusätzlich damit abzufinden, das das dann womöglich immernoch nicht reicht? Ist das nicht das Rezept zum Unglücklichsein auf lange Sicht?

grübelnde Grüße

mel

5 thoughts on “Inwieweit entscheidet Herkunft den Grad der Bildung?

  1. Mir geht es anders. Ich stehe permanent unter dem Druck das zu leisten was andere in der Familie schon geschafft haben. Und egal wie gut ich bin – nie reicht es. Immer gibt es einen Bereich den ich scheinbar (aus Sicht der anderen) gerade vernachlässige. Das hat in früheren Zeiten schon auch mal zu einer Lähmung geführt.

    Erst als ich mich frei (sofern man den Zustand heute so nennen kann) gemacht hatte, konnte ich meine eigenen Ziele erfolgen. Und bin heute mehr denn je unter Beobachtung der Familie. Nur lasse ich mich anders oder weniger beeinflussen als noch früher.

  2. P.S. Die Frage, die sich stellt ist, welches Selbstverständnis der einzelne hat. Um aber überhaupt ein Selbstverständnis zu entwickeln, muss ich mich von den Erwartungen lösen, die andere an mich haben. Doch wie löst sich ein Kind aus den Erwartungen, die die Eltern an es haben? Welche Hilfe kann man einem Kind anbieten um eine „Außenperspektive“ einnehmen zu können um die eigene Situation zu reflektieren? Ab welchem Alter ist es üerhaupt gut, dass ein Kind mit der eigenen Situation konfrontiert wird? Wie viele Menschen (Kinder und Erwachsene) wollen sich überhaupt refletieren? Welche Menschen wollen die Konsequenzen, die eine solche Reflexion nach sich ziehen würden, wirklich wahrhaben?

  3. liebe Ulrike, du beschreibst gerade in deinem PS-Eintrag, wie schwer es ist zu entscheiden, welche Dinge man den eigenen Kindern auf den Weg gibt. Mache mir da aktuell wenig Gedanken drum, denn ich sehe, dass unsere Kinder groß werden mit dem Wissen, Mama studiert und am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig. Sie werden die Entwicklung miterleben, dass irgendwann normales Gehalt kommt und sich evtl. die Wohnverhältnisse ändern (die ja vllt schon früher). Sie werden demzufolge damit bewusst aufwachsen, dass das Leben kein starres Gebilde ist. Und für die Reflektion sorgen wir ja nun schon im Kindergartenalter. (Und jetzt bewusst eben nicht alle Kinder dieser Welt gemeint)

  4. Vielen Dank für deine Kommentare, interessant ist es, zu sehen, was meine Worte bei dir auslösen. Du zeigst mir, dass es auch nicht leicht ist, sich mit den Erwartungen der Anderen einig zu werden. Aber im Grunde geht es nicht darum, ob es leicht oder schwer ist. Es geht vielmehr darum, ob das Verständnis von Leistung und Erfolg nicht auch damit zusammenhängt, mit welchem Niveau man sich schon zufrieden gibt. Ein Ackergaul wird eben niemals, egal wie gut es ist, ein Rennpferd. Schmunzelnd überlege ich, welches Pferd nun mehr geleistet hat…

  5. Ich weiß, dass es nicht wichtig ist, was ich bin – Rennpferd oder Ackergaul. Die Hauptsache ist, man ist glücklich. Wenn du herausgefunden hast, woher es rührt womit man glücklich ist, dann teil es mir mit.

    Ich bin sehr gespannt, was du da noch herausfindest.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s