Web 2.0 und die Lehre erst in 10 Jahren wirklich vereint?

Gestern Abend war ich mit Christian Spannagel und Stefanie Schmidberger bei einer Diskussionsrunde der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation. Thematisch sollte es um das „Social Web – Chance oder Gefahr“ gehen. Das Setting war gut, die Beiträge zu journalistisch und viele Aspekte wurden gar nicht angesprochen. Für uns, die wir uns aber tagtäglich damit beschäftigen, welchen Mehrwert wir uns ausrechnen für die Lehre, war es sehr interessant zu sehen, welche Gedankenansätze die MHMK aktuell bearbeitet.

Ich beziehe mich jetzt bewusst nicht auf die Statements des gestrigen Abends. Das würde zu ausführlich und vor allem wären das keine Samthandschuhe…

Interessant war allerdings, wie unterschiedlich die Meinungen sind, welchen Mehrwert das Web 2.0 bietet. Während wir uns natürlich mit didaktischen Konzepten, inhaltlichen Diskursen, kollektiver Wissenskonstruktion, der Verknüpfung von Theorie zur Praxis und der neuronalen Vernetztheit der Menschen beschäftigen. Widmeten sich die Veranstalter mehr den kapitalistischen Ideen und Sorgen. sowie der Werbung. Das Ganze aber doch eher auf einem oberflächlichen Niveau und mit dem Fokus stark auf die Zukunft mit Wahrsagecharakter. Aber wer weiß schon, was in 10, 20, 30 Jahren ist?

Mit der Maschendraht-Community sind wir aktiv und produktiv an die Frage der Möglichkeiten im Hier und Jetzt beschäftigt. Richtig ist, dass in diesem Kontext viele Web 2.0 affine den Weg zu uns gefunden haben. Da wir uns nicht abschotten wollen von der Allgemeinheit, sondern integrierend, fördernd und unterstützend agieren wollen ist es nun wichtig eine gemeinsame Sprache z.B. mit den Lehrenden zu finden.

Mein nächster Schritt wäre demzufolge, als erstes die Web 1.0 Menschen erreichen zu wollen und ihnen mit einem ausgeklügelten Autorensystem den Weg ins Web 2.0 zu erleichtern.

Web 2.0 und die Lehre erst in 10 Jahren vereint? – das mag ich noch nicht glauben und deshalb arbeite ich weiter an unserem Konzept, welches aus meiner Überzeugung heraus insgesamt einen Mehrwert für die Lehre darstellt.

10 thoughts on “Web 2.0 und die Lehre erst in 10 Jahren wirklich vereint?

  1. Hallo Mel,

    ich kann mich recht gut in die Lage der Unternehmen versetzen – Die Offenheit des Web 2.0 und die Dynamik, die da auf Userseite freigesetzt wird, entspricht einfach nicht mehr dem klassischen Bild der (berechenbaren) Konsumenten, das BWLer und Werbemenschen noch in ihrer Ausbildung vorgesetzt bekommen haben. Die Kunden werden demnach schwieriger einschätzbar, sie werden anspruchsvoller und sie sind aufgeklärt und top informiert. Wer geht denn heute noch in den Laden und kauft etwas bzw. tätigt eine größere Anschaffung, ohne vorher intensiv im Internet zu recherchieren? Für alle erdenklichen Produkte gibt es Bewertungsportale, Preisvergleichsdienste etc. Wer da als Unternehmen nicht eine absolut weiße Weste und ein Spitzen-Produkt bietet, kann seinen Laden doch gleich dicht machen.
    Ich glaube einfach ihr wart auf der falschen Veranstaltung… Es ging nicht um den Kontext von Unterricht und Lehre… Wobei irgendwelche Impulse natürlich immer dabei herausspringen…

    Und Web 2.0 und Lehre erst in 10 Jahren vereint? Nein, so pessimistisch bin ich da nicht. In 2-3 Jahren wird es soweit sein, da werden schon die SchülerInnen und StudentInnen dafür sorgen… (Bottom-Up => Revolution!)

    Liebe Grüße

    Gabriela

  2. Ich sehe das wie Gabriela. Web 2.0 in der Wirtschaft führt zu Enterprise 2.0 – in der Bildung zu Bildung 2.0. Da sind die Ziele und Herangehensweisen sehr verschieden, wobei es natürlich auch einige (nicht wenige) Überschneidungen gibt.
    So wie es jetzt schon sehr innovativ geführte Enterprise 2.0 Betriebe gibt, so wird es auch zunehmend Teilbereiche in der Bildung geben, die mit diesen Tools arbeiten – z.B. die Lehrenden der bei Educamp oder bei der Maschendraht Community😉

  3. Zum Thema gestern abend: Mir ging es ähnlich wie Melanie. Ich hatte andere Vorstellungen von der Veranstaltung, aber nicht in Richtung Lehre sondern ich stellte mir eine Mischung aus Suchtgefahren und Chancen in der Kommunikation vor. Da in der Beschreibung stand, dass es um Jugendliche (Umfrage + Studie) geht, ging ich auch stark davon aus dass dieser Kontext angesprochen wird, aber wie Melanie schon sagte, ging es mehr um finanzielle Aspekte.

    zu Web 2.0 in der Lehre erst in 10 Jahren?: Ich will ehrlich sein, ich habe keine Ahnung ob das heute schon möglich ist. Was ich weiß ist aber, dass Maschendraht eine super Sache ist die viele auch jetzt schon begeistert. Also schön weiter machen und nicht unterkriegen lassen!! Einer muss ja anfangen, so war es bisher immer.

  4. Das Problem war ja, dass die Studie über Gefahren und Chancen (aus Sicher der 16-2x-Jährigen) gar nichts sagte. Sie sagte nur, dass sie das Netz nutzen (surprise). Die Gefahren sind entweder wirtschaftlicher Art (für bestehende Medien) oder imaginiert.

  5. @gabriela
    Richtig, es wird sich etwas verändern und Veränderungen sind gerade in den konservativeren Kreisen ungern gesehen.😉
    Wir waren aus einem Grund auf der richtigen Veranstaltung. Für uns ging es darum einfach mal über den Tellerrand zu schauen. Das wiederum hilft uns bei der Standortbestimmung. Denn da beschäftigen sich widerum Menschen mit Web 2.0.

    @alexander
    natürlich wären die Überschneidungen für uns inhaltlicher Interessanter gewesen😉 Für mich war die Frage, wie sich die MHMK mit dem Web 2.0 beschäftigt. Und es bestätigte das Gefühl, dass wir uns mit unseren Ideen auf einer Wolke befinden. Die gilt es jetzt in eine produktive Richtung zu steuern.

    @Stef
    Genau, der Titel passte nicht unbedingt mit den Inhalten zusammen. War aber trotzdem toll der Abend. Es ist wie immer: es hängt von den Personen ab.

    @Olivergassner
    Ja, so hab ich das auch gesehen. Die Beiträge von dir und Oliver Berger hätten noch andere Schwerpunkte setzen können. Da war die Zeit aber schon vorbei und es wurde lieber über das Morgen gerätselt als aktiv das Heute zu beleuchten.

  6. Hej Mel,

    ich stimme dir in weiten Teilen zu, dass das Thema der Veranstaltung inhaltlich nur angerissen wurde. Ich sehe allerdings die Gründe anders gelagert und mache dafür zu wenig Zeit und zu viele Teilnehmer auf dem Podium (das schließt mich mit ein) verantwortlich.

    In der Studie ging es ja eigentlich sogar nur um Menschen in der Region Stuttgart – das Web ist aber global und eben darum gibt es ja Bewegungen wie zum Beispiel das von mir angesprochene DNA_digital (http://www.dnadigital.de/), was klar auf Jugendliche und junge Erwachsene abzielt, der sog. Internetgeneration. Logischerweise beschäftigen wir uns dort auch mit den Gefahren, die allerdings, und das wurde in Stuttgart thematisiert, durch mangelnde Medienkompetenz seitens der Anwender/innen und Plattformbetreiber erst entstehen.

    Wie auch @Zellmi schon schrieb, hätte auch ich mir gewünscht, wir hätten Thema wie Corporate Citizenship oder eGovernment angesprochen – die Zeit dafür war aber einfach zu kurz.

    Mich interessiert darüber hinaus deine Kritik. Im Social Web müssen wir den Dialog suchen und das bedeutet auch gerade, sich der Kritik zu stellen, damit man daraus lernen kann.

  7. Hallo Oliver🙂

    Ich roll mal eben deinen Comment von hinten auf. Permanent bin ich damit beschäftigt, sowohl unser eigenes Produkt (http://maschendraht.mixxt.de) zu verbessern, mixxt selbst, sowie DNA-Digital (ebenfalls Mitglied seit einiger Zeit) mit meinem Feedback zu unterstützen. (Wie zum Beispiel hier: http://www.dnadigital.de/networks/blog/post.ulrikerenate:44).
    Ich sehe große Chancen in der gemeinsamen Wissenkonstruktion, sowie der kollektiven Intelligenz. Das Social Web bietet nie dagewesene Möglichkeiten und genau deshalb hat mich der Titel der Veranstaltung interessiert. Ich wage mal zu behaupten, dass Gestern fast ausschließlich Web2.0-affine-„Bildungsbürger“ anwesend waren und deshalb war in mir der Wunsch da, eben nicht an der Oberfläche zu spekulieren („was ist im Jahr 2020“), sondern eben wirklich die Chancen und Gefahren zu beleuchten. Ich stimme dir zu, es waren zuviele vor und auf dem Podium. Du selbst hast den Hinweis gegeben, dass viele Themen gar nicht angesprochen wurden und da war die Zeit auch schon um. Meine direkte Kritik gilt eigentlich der Moderation:
    * Ein Moderator hat die Aufgabe durch das Programm zu führen.
    * Ein Moderator sollte Themen aufgreifen und vertiefen.
    * Ein Moderator sollte versuchen bei der Grundfragestellung zu bleiben.
    * und last but not least, ist es durchaus erlaubt, mal ein wenig zu provozieren.😉

    Die Studie selbst hatte keine Erkenntnisse auf die hätte aufgebaut werden können (s.o OliverGassner).
    Ich glaube das Grundproblem war, dass die Veranstalter zwar einen interessanten Titel gewählt haben, aber diesen nicht mit Inhalten füllen konnten. Die Menge an Leuten, die sich an diesem Abend im Römerkastell eingefunden haben, zeigen ja durchaus ein Interesse an der Thematik.
    Und normalerweise fängt man ja mit dem positiven Feedback an. Jetzt also hintenan. Die Organisation, das „Catering“ sowie die Location, waren klasse! Die geladenen Gäste auf dem Podium waren zwar sehr unterschiedlich, aber allesamt Webaffin (bis auf Herr Weber, der ja glaubt, das Web 2.0 sei nur ein Phänomen der Jugend.)
    Und wenn ich gerade dabei bin: die Sitzposition war etwas ungeschickt. Normale Sicht hieß direkter Blick auf die breitbeinig dasitzenden Herren. Da hattest du ja den perfekten Platz😉 Und wieso waren nur Herren geladen? Das wundert mich schon sehr … aber das sind die Erscheinungen am Rande.
    Und nun bin ich auf deine Sichtweisen gespannt…🙂 Viele Grüße, Mel

  8. Pingback: links for 2009-01-22 « Where is my towel?

  9. Pingback: Oliver Gassner

  10. Hallo zusammen,

    ich fand, es war ein sehr schöner Abend, auf dem ich wieder einmal meine Scheuklappen ein wenig zur Seite schieben konnte: Ich habe gesehen, wo andere ihre persönlichen Schwerpunkte in der Wahrnehmung von Web 2.0 setzen (Bürgerjournalismus, Werbung, Kommerzialisierung). Insofern war’s ok. Gewünscht hätte auch ich mir mehr die Diskussion, wie man Jugendliche an den vernünftigen Gebraucht mit solchen Werkzeugen heranführen kann und ihnen aufzeigen kann, was man damit Tolles machen kann (aus inhaltlicher Perspektive). Aber da hatte ich vermutlich auch zu sehr die „Bildungsbrille“ auf.

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